Über uns

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Unser Thema

Viele Produkte des 21. Jahrhunderts verursachen sowohl bei der Produktion als auch bei der Entsorgung signifikante sozial-ökologische Auswirkungen und Probleme. So fallen allein in Deutschland jährlich etwa 1,9 Mio. t. Elektroschrott an [1], weltweit wird eine Steigerung des Elektroschrotts auf 50 Mio. t. bis 2018 prognostiziert[2] Neben geschlossenen Stoffkreislaeufen, der Verbesserung von Produktionsbedingungen und nachhaltigem Design wird vor allem auch eine Verlängerung der Nutzungsdauern von
Elektronikgeräten als wichtiger Hebel zur Steigerung der Ressourcenproduktivität und -effizienz diskutiert. Jedoch zeichnet sich ab, dass bei steigender Anzahl von Produkten in Haushalten[3] die Nutzungs- und Lebensdauern trotz konstanter technologischer Fortschritte konstant bleiben oder sogar kürzer werden[4]. Im öffentlichen Diskurs wird als Begründung fuer die kurzen Nutzungsdauern oft der Begriff „Obsoleszenz“ genannt. Vermutet wird dabei, dass ein Produkt, verglichen mit einem technisch möglichen Idealzustand, frühzeitig veraltet und nicht mehr gebrauchsfaehig ist oder als nicht mehr funktional und brauchbar betrachtet wird.

Ob hierfür als Gründe der globalisierte und fragmentierte Produktionsprozess, Technologiewechsel, der Innovationsdruck auf dem Elektronikmarkt oder sich immer schneller wandelnde Konsumtrends und Moden in Frage kommen und welchen Anteil verschiedene gesellschaftliche Akteure und ihre Praktiken an den kuerzer werdenden Nutzungsdauern haben, ist bisher noch wenig erforscht.

Unsere Ziele

Die Nachwuchsforschungsgruppe hat zum Ziel, die Gründe für obsolet werdende Elektronikprodukte und verkürzte Nutzungsdauern zu erforschen und Strategien für einen nachhaltigeren Produktkonsum auf technischer, sozialer, gesellschaftspolitischer und ökonomischer Ebene zu entwickeln und zu bewerten.

Obsoleszenz wird dabei als ein Oberbegriff für eine Bandbreite unterschiedlicher sozio-technischer Phänomene betrachtet, die jeweils unter der Berücksichtigung der Handlungslogiken und Praktiken von Akteuren in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen – Wirtschaft, Produktion, Handel, Konsum, Politik – und ihrer Interaktionen rekonstruiert werden müssen.

Unsere Heransgehensweise

Mit einem inter- und transdisziplinären Ansatz werden zunächst die Treiber von Obsoleszenz im Bereich Elektronikprodukte identifiziert und in ihrer Interaktion beschrieben:puzzle

  • Konsumpraktiken im Kontext von kurzen Nutzungsdauern sowie Akzeptanz und Einstellungen
    zu langlebigen Produkten in unterschiedlichen sozialen Milieus;
  • Wirtschaftslogiken und Geschaeftsmodelle, die eine Langfristoekonomie verhindern;
  • Produkteigenschaften und typische technische Fehler, die kurze Nutzungsdauern befoerdern.

Die differenzierte Darstellung des Problemhintergrunds bildet die Ausgangsbasis für die Entwicklung von Szenarien, Transformationspfaden und konkreten Maßnahmen, die lange Nutzungsdauern von Elektronikprodukten technisch, wirtscarbeitsplanhaftlich, politisch und gesellschaftlich ermöglichen. Hierzu gehören eine Prüfmethode zur Qualitäts- und Zuverlässigkeitsmessung, deren Implementierung u. a. in produktpolitische Instrumente vorgesehen ist, öko-innovative Geschäftsmodelle und
gesellschaftspolitische Strategien zur Verbreitung langlebiger Produkte und innovativer Praktiken wie Design for Recycling, Repair-Cafés, Upcycling oder Prosuming.

Wir

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Von links nach rechts: Melanie Jaeger-Erben, Janis Winzer, Tamina Hipp, Eduard Wagner, Marina Proske, Christian Dickenhorst, Florian Hofmann, Max Marwede

 

Die Nachwuchsforschungsgruppe ist ein Verbundprojekt zwischen dem Zentrum Technik und Gesellschaft und dem Forschungsschwerpunkt Technologien der Mikroperipherik (beide TU Berlin) sowie dem Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration.
Sie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Themenschwerpunkt der Sozial-ökologischen Forschung von 2016 bis 2021 gefördert.

Die Mitglieder der Nachwuchsgruppe vertreten komplementäre Disziplinen (Wirtschafts-, Rechts- und Ingenieurwissenschaften, Soziologie und Psychologie), die sowohl für die Untersuchung von Treibern als auch für die Ableitung von Veränderungsstrategien eine integrative Sichtweise ergeben. Gleichzeitig sollen durch eine enge Zusammenarbeit mit Praxispartnern aus Wirtschaft, Politik, Verbraucherschutz und Zivilgesellschaft diejenigen Akteure und Zielgruppen identifiziert und aktiviert werden, von denen
Veränderungsprozesse ausgehen können.

Dr. Melanie Jaeger-Erben, Soziologin und Psychologin,
Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin (Gruppenleitung)

Dr. Janis Winzer, Wirschaftsingenieur, Fraunhofer IZM (Gruppenleitung)

Dr. Max Marwede, Wirtschaftsphysiker, Forschungsschwerpunkt Technologien
der Mikroperipherik TU Berlin (PostDoc)

Tamina Hipp, Soziologin, Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin
(Doktorandin)

Marina Proske, Ingenieurin für technischen Umweltschutz,
Forschungsschwerpunkt Technologien der Mikroperipherik TU Berlin (Doktorandin)

Eduard Wagner, Wirtschaftsingenieur, Forschungsschwerpunkt
Technologien der Mikroperipherik TU Berlin (Doktorand)

Christian Dickenhorst, Jurist, Leuphana Universität
Lüneburg (Doktorand)

Florian Hofmann, Master Nachhaltigkeitswissenschaften
Fraunhofer IZM und TU Berlin (Doktorand)