Vortrag auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

Vortrag von Melanie Jaeger-Erben: (Anthropogene) Obsoleszenz als Herausforderung für nachhaltigen Konsum – Das Potential umweltsoziologischer Praxistheorien zur Exploration von Ursachen und Alternativen

Sektion Umweltsoziologie: Neue Trends in der Umweltsoziologie
Zeit: 28.09.2016: 14:15-17:00
(Umwelt)soziologische Praxistheorien können bei der Untersuchung anthropogener Obsoleszenz einen bedeutenden Beitrag leisten. Im Fokus des Vortrags stand, wie verschiedene Formen von Obsoleszenz (wie werkstofflich, funktional, symbolisch, praktisch, ökonomisch) und ihre gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen mit Hilfe eines praxistheoretischen Zugangs differenziert betrachtet und analysiert werden können. Davon ausgehend soll das Gerüst einer umweltsoziologisch fundierten „Theorie der Obsoleszenz“ entwickelt werden, die auch Möglichkeiten zur Überwindung des Phänomens bzw. zur Verlängerung von Nutzungsdauern bei Elektronikprodukten aufzeigt. Vorgestellt werden dabei konzeptionelle Grundlagen, Forschungsinhalte und Ziele einer im Juli 2016 gestarteten interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe.

Vortrag im Kongress-Programm

 

Die BMBF- Nachwuchsforschungsgruppe „Obsoleszenz als Herausforderung für Nachhaltigkeit“ startet

„Heute gekauft, morgen entsorgt“ – dieses Motto scheint für den Konsum von vielen Elektronikprodukten des 21. Jahrhunderts zu gelten. Bei einer steigenden Anzahl von Elektrogeräten pro Haushalt sinken die Nutzungsdauern und Lebensdauern dieser Produkte kontinuierlich, mit fatalen Auswirkungen auf die Umwelt. Allein in Deutschland fallen jährlich etwa 1,9 Mio. t Elektroschrott an, Tendenz steigend. Sind die großen Elektronikkonzerne hierfür verantwortlich, die ihre Gewinne dadurch steigern können, dass sie die Nachfrage durch bewusst geplant kurze Lebensdauern ankurbeln? Oder sind es zu schnelle Technologiewechsel und Innovationsdruck auf dem Elektronikmarkt? Oder sind die Konsumentenwünsche und die sich immer schneller wandelnden Konsumtrends und Moden die Ursache dafür, dass Produkte immer kürzer genutzt und früher entsorgt werden? Welche Stellschrauben ermöglichen sinnvolle Interventionen und können damit einen Beitrag für eine nachhaltigere Gesellschaft leisten?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich die im Juli 2016 gestartete Nachwuchsforschungsgruppe „Obsoleszenz als Herausforderung für Nachhaltigkeit – Ursachen und Alternativen“. Das Ziel ist, die Gründe für obsolet werdende Elektronikprodukte und verkürzte Nutzungsdauern zu erforschen und Strategien für einen nachhaltigeren Produktkonsum auf technischer, sozialer, gesellschaftspolitischer und ökonomischer Ebene zu entwickeln und zu bewerten.

Die Nachwuchsforschungsgruppe ist ein Verbundprojekt zwischen dem Zentrum Technik und Gesellschaft und dem Forschungsschwerpunkt Technologien der Mikroperipherik (beide TU Berlin) sowie dem Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration. Sie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Themenschwerpunkt der Sozial-ökologischen Forschung von 2016 bis 2021 gefördert.