Wissensintegration: Obsoleszenz verstehen

Die interdisziplinäre  Perspektive der Nachwuchsgruppe setzt an der These an, dass Obsoleszenz im Ineinandergreifen von Handlungslogiken und Praktiken in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen – Wirtschaft, Produktion, Handel, Konsum, Politik – hervorgebracht wird.

Um Obsoleszenz zu überwinden, gilt es daher, das Zusammenspiel einer ganzen Reihe von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Praktiken zu verstehen und die Treiber gleichermaßen wie die Lock-Ins, Pfadabhängigkeiten und Zwänge zu identifizieren, die das Entscheiden und Handeln der unterschiedlichen Akteure beeinflussen.

Diese Zusammenhänge sollen unter Zuhilfenahme soziologischer, praxistheoretischer Ansätze systematisch untersucht und sukzessive zu einem theoretischen Modell entwickelt werden. Dieses soll die Entstehung von Obsoleszenz in ihren verschiedenen Ausformungen erklären und die Entwicklung von Interventionsstrategien
ermöglichen.

Ein besonderes Interesse gilt dabei den symbolischen Bedeutungen von Produkten z. B. als Zeichen für Modernität, Innovativität und Überlegenheit sowohl bei Herstellern als auch Konsument/innen. Gleichzeitig interessiert der praktische Umgang mit Produkten als „Dingen“, d.h. die konkreten Praktiken der Entwicklung und des Designs, der Herstellung sowie die Nutzungspraktiken. Hierbei soll insbesondere die Rolle des praktischen Wissen über die Funktionalitäten von Produkten, ihre Enstehung und die darin verwendeten Ressourcen beleuchtet werden.

Am Beispiel bereits stattfindender Veränderungen obsoleszenzrelevanter Praktiken (z.B. durch soziale Innovationen wie Design for Recycling, Repair and Reuse, Lean-Manufacturing, Prosuming) sollen Veränderungsstrategien abgeleitet werden.
Dieses Arbeitspaket stellt damit einen Rahmen des Gesamtprojektes dar, der die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte in einen Gesamtzusammenhang einordnet und darstellt. In regelmäßig stattfindenden gruppeninternen sowie gruppenerweiternden, transdisziplinären Forschungswerkstätten sollen – auf Basis der Logik der Grounded Theory sukzessive disziplinübergreifende und anwendungsnahe Heuristiken zum Verstehen von Obsoleszenz sowie ein systematisches Glossar verschiedener Obsoleszenz-Formen entwickelt werden.

Ansprechpartnerin: Melanie Jaeger-Erben

Relevante Veröffentlichungen in diesem Schwerpunkt:

Jaeger-Erben, Melanie & Proske, Marina (2017): What’s hot what’s not – The social construction of product obsolescence and its relevance for strategies to increase functionality. Paper (accepted) to the PLATE – conference, 8-10 November 2017, Delft University of Technology.

Jaeger-Erben, Melanie; Winzer, Janis; Marwede, Max; Proske, Marina (2016): Obsoleszenz als Herausforderung für Nachhaltigkeit. Ursachen und Alternativen für Kurzlebigkeit in der „Wegwerfgesellschaft“ in  Rogall, Holger; Binswanger, Hans-Christoph; Ekardt, Felix; Grothe, Anja; Hasenclever, Wolf-Dieter; Hauchler, Ingomar et al. (Eds.) (2016): Im Brennpunkt Ressourcenwende – Transformation zu einer ressourcenleichten Gesellschaft. Metropolis-Verlag für Ökonomie Gesellschaft und Politik GmbH. [1. Auflage]. Marburg: Metropolis Verlag (Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie, 5.2016/2017). Seite 91-122. http://www.metropolis-verlag.de/Jahrbuch-Nachhaltige-Oekonomie-20162017/1232/book.do