Nutzungsdauern zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Erste Ergebnisse einer neuen OHA-Befragung

In der Adventszeit boomt auch der Elektronik-Handel und der Wunsch, seine Liebsten mit dem Neuesten vom Neuen zu verwöhnen. Dies hat zur Konsequenz, dass viele noch funktionsfähige Geräte ausgetauscht werden.

Doch nicht nur zur Weihnachtszeit endet die Lebens- und Nutzungsdauer von Elektrogeräten frühzeitig, obwohl sie noch funktionsfähig sind. Und das obwohl – wie die aktuelle, repräsentative Befragung der OHA-Forschungsgruppe zeigt – die möglichst lange Nutzung von Geräten als sozial erwünscht und als wichtiger Beitrag für den Umweltschutz gesehen wird. Die Orientierung an Neuheit („newism“), die Routinen im Umgang mit Geräten und verschiedene strukturelle und individuelle Hemmnisse können dazu beitragen, dass das erwünschte Handeln nicht konsequent umgesetzt wird. Die ersten deskriptiven Ergebnisse der Befragung finden sich hier.

2 Gedanken zu „Nutzungsdauern zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Erste Ergebnisse einer neuen OHA-Befragung#8220;

  1. Eine völlig sinnlose Untersuchung mit falschen Schlussfolgerungen: Wenn ein Mobiltelefon defekt ist, erscheint ein Neukauf verständlich. Wird dagegen allein ein neueres Gerät gewünscht, verringert sich keinesfalls die Nutzungsdauer des bisherigen, denn die Geräte sind teuer und werden in nahezu allen Fällen als Gebrauchtgeräte verkauft – auf einem riesigen Markt, bei dem ein jedes Gerät seinen neuen Eigentümer findet. Bei Betrachtung der Nachhaltigkeit ist bzgl. der Nutzungsdauer daher nicht allein die des Erstbesitzers entscheidend, sondern die gesamte Nutzungsdauer eines Geräts bis zu dessen Defekt bzw. bis zu seiner endgültigen Entsorgung!

    • Sehr geehrter Herr Dr. Pelz,
      wir freuen uns immer über kritische Kommentare, umso mehr, wenn sie respektvoll und sachlich vorgebracht werden.
      Sie kritisieren unsere Schlussfolgerung, dass der Neukauf trotz eines noch funktionierenden Alt-Geräts die Nutzungsdauer eben jenen Geräts verringert und stellen das Gegenargument auf, das nahezu alle gebrauchten Geräte weiterverkauft werden.
      Die Studienlage, die wir überblicken, zeigt dies nicht. Beispiele: In einer Untersuchung von holländischen Kollegen (Mugge et al, 2016: How to sell refurbished smartphones? An investigation of different customer groups and appropriate incentives“, Journal of Cleaner Production) heißt es: „collection rates for recycling, refurbishing and/or remanufacturing smartphones (in Europe) are around 15%, and the secondary (e.g., refurbished) smartphone market is only a fraction (6%) of the primary market.“ Eine Studie aus Österreich zeigt, dass nur ca. 10% ihr Smartphone gebraucht kaufen und wenige Geräte in den Zweitmarkt gehen (Wieder & Tröger, 2018: „Exploring the inner loops of the circular economy: Replacement, repair, and reuse of mobile phones in Austria“, Journal of Cleaner Production.) Der Global Consumer Survey von Statista zeigt auch für Deutschland eine Rate von 10% Gebrauchtkäufen.
      Unsere eigene Studie von 2017 hat für Deutschland etwas höhere Werte für den Umgang mit dem eigenen gebrauchten Gerät erbracht: Ca. 25% verkaufen das Gerät weiter und 25% verschenken es. In der Hälfte aller Fälle wird das funktionierende Gerät jedoch in der Schublade gelagert oder entsorgt. Wir sind sehr gespannt darauf, von Ihren Quellen zu erfahren und freuen uns über entsprechende Hinweise.
      In den Ökobilanzen, die auch in unserem Projekt durchgeführt werden, berücksichtigen wir die Lebensdauer über mehrere Nutzungen hinweg. Die sozialwissenschaftliche Forschung zeigt uns jedoch, dass die Lebensdauer in vielen Fällen beim Erstnutzer endet, ohne dass technische oder funktionale Gründe vorliegen. Daher sind Erhebungen zum Konsumverhalten aus unserer Sicht wichtig und sinnvoll.
      Beste Grüße von der Forschungsgruppe „Obsoleszenz“

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